Kirchgemeinde St. Marien

Evangelisch-Lutherisch | Gera-Untermhaus

Literatur Gottesdienst

Losung für Sonntag, 17. Dezember 2017:
Als die Zeit herbeikam, dass David sterben sollte, gebot er seinem Sohn Salomo und sprach: Ich gehe hin den Weg aller Welt. So sei getrost und diene dem HERRN, deinem Gott.
1.Könige 2,1-2.3
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"Wenn ich nicht am Morgen den Vorhang aufzöge, und sagte: 'Martinus, es wird Frühling!' Du würdest es nicht merken." - Das ruft ihm seine Frau Käthe zu; aber Martin Luther schläft schon. Die Autorin Christine Brückner hat in Ihrem witzigen und nachdenklichen Buch Wenn du geredet hättest, Desdemona ungehaltene Reden ungehaltener Frauen aufgeschrieben. Auch Katharina von Bora hält eine davon. Es ist eine Tischrede, und sie trägt den Titel: "Bist du sicher Martinus?" Natürlich hält sie ihm vor, dass er denkt und schreibt, während sie den Haushalt schmeißt. Mit der Zeit merkt man aber auch, dass sie eine ganz eigenständige inkarnatorische Theologie vertritt. Sie wissen nicht, was 'inkarnatorisch' ist? Dann kommen Sie doch am Sonntag zu unserem Literatur-Gottesdienst in die St. Marienkirche in Gera-Untermhaus. Wenn Sie am 24. September um 17 Uhr auf dem Mohrenplatz eintreffen, sollten sie bereits gewählt haben, denn nach dem Gottesdienst sind die Lokale zu. Jedenfalls die Wahllokale. In anderen Lokalen können Sie vielleicht noch ein Bier bestellen und auf die virtuose Brauerin und gewesene Äbtissin Katherina von Bora anstoßen.


"Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte,fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheueren Ungeziefer verwandelt." Und weil Gregor Samsa ausgerechnet in einer Geschichte von Franz Kafka aufwacht, macht er sich wenig Gedanken über "seinen gewölbten, braunen, von bogenförmigen Versteifungen geteilten Bauch", sondern vielmehr darüber, ob er noch pünktlich zur Arbeit erscheinen kann und was er Vater und Mutter erzählt, warum er nicht früh genug aufgestanden sei. Der Alltag ist halt ebenso monströs wie die Dinge, die bei Kafka in ihm geschehen. Von der Normalität bis zum Abgrund ist es kaum einen Schritt, wenn nicht sogar erheblich kürzer. Am kommenden Sonntag, also am 19. Maerz 2017, findet im Untermhäuser Lutherhaus (Joliot Curie Strasse 1a) um 17 Uhr ein Literatur-Gottesdienst zu Franz Kafka statt. Seine Erzählung "Die Verwandlung" wird im Mittelpunkt stehen. und ich werde biblische Stellen heraussuchen, die von einer Verwandlung sprechen und anderen mit der Erzählung verwandten Sachverhalten. Die Autorin Jana Huster wird ihren Text "Kafka lesen" vortragen, und wir singen - wie immer - ein altes langes Kirchenlied von mindestens 14 Strophen. Sie sind herzlich willkommen!

Es bleiben aber Glaube, Liebe, Hoffnung, aber die ... unberechenbarste ... unter ihnen ist die Liebe. Oder dieverlässlichste? Oder die vertrauenswürdigste? Als Jana Huster in der Damentoilette des Literaturcafés Pegasus ein aufgeklebtes Stück Papier findet, beginnt sie zu rätseln, woher der Text darauf stammt. Irgendjemand hat versucht, ihn abzureißen. Einige Sätze sind nicht mehr vollständig, und der Text gehört definitiv nicht zu den Liedern und Geschichten, die man in der 7. POS Juri Gagarin lernt. Allerdings ist er alle sechs Jahre der Predigttext des Gottesdienstes vor der Fastenzeit, also zum Beispiel am kommenden Sonntag. Wenn Sie also die Geschichte hören und erfahren wollen, was Jana Huster mit diesem Text erlebt hat und wie sie schließlich herausgefunden hat, dass er aus der Bibel ist, kommen Sie doch einfach in unseren Gottesdienst am 7. Februar um 10 Uhr ins Lutherhaus (Joliot Curie-Str. 1a, 07548 Gera). Die Autorin liest live, und es gibt eine Predigt und einen ganzen Gottesdienst über das neustestamentliche Hohelied der Liebe (1. Kor 13, 1-13). Der Eintritt ist frei. Jana Husters Text steht hier und die Predigt hier.


"Eine Weihnachtsgeschichte?", fragte er, nachdem ich fertig war. "Ist das alles? Wenn Sie mir ein Essen spendieren, mein Freund, erzähle ich Ihnen die beste Weihnachtsgeschichte, die Sie je gehört haben. Und ich garantiere, dass jedes Wort davon die reine Wahrheit ist." - Und Auggie Wren hält Wort, und der Schriftsteller bekommt von seinem Tabakhändler die Weihnachtsgeschichte, die er nicht selbst schreiben konnte. Es kommt natürlich ein Wunder darin vor und ein neuer Umgang mit Zeit, eine blinde Frau und ein Taschendieb. Aber mehr verrate ich nicht. Da müssen Sie schon am kommenden Sonntag, dem 13. Dezember 2015, um 17 Uhr in die Marienkirche kommen ditund unserem Literatur-Gottesdienst zu Paul Austers Erzählung "Auggie Wrens Weihnachtsgeschichte" lauschen. Was hält Sie ab?


"Und er ruhte aus von der Schwere des Glücks und der Größe der Wunder." - Mit diesem Satz endet das Buch 'Hiob' von Joseph Roth. Es erschien 1930 und portraitierte die jüdische Lebenswelt in Galizien kurz vor ihrer gründlichen und endgültigen Zerstörung. Ein jüdischer Dorfschullehrer hat seit Generationen nichts gelernt als das Dulden. Während seine Frau alles Mögliche unternimmt, um den kranken Sohn Menuchim zu heilen und die anderen Kinder der Familie zu retten, betet er seine Psalmen hinauf und hinunter, bis er eines Tages den roten Sack mit den Gebetsriemen an einen Nagel hängt und ihn geflissentlich ignoriert. Er hört auf zu beten. Es reicht ihm. Aber dann passiert etwas Eigenartiges. Am kommenden Sonntag, dem 30. August 2015, feiern wir in St. Marien um 17 Uhr einen Literatur-Gottesdienst zu Joseph Roth. Ich flechte Teile des Romans in das biblische Hiobbuch oder vielleicht auch umgekehrt. "Der Schmerz wird ihn weise machen, die Hässlichkeit gütig, die Bitternis milde und die Krankheit stark." Das sagte der Wunderrabbi zu Menuchims Mutter. Aber wie lange muss man warten, und wann beginnt der Zorn?


"Keiner von uns beiden konnte wissen, was der andere ausließ.Jede Korrespondenz ist von unsichtbaren Perforationen durchzogen, den kleinen Löchern des Ungeschriebenen, aber nicht Ungedachten, und mit der Zeit begann ich inständig zu hoffen, dass es kein Mann war, der auf den Seiten fehlte, die ich Woche für Woche erhielt." - In diesen Zeilen aus Siri Hustvedt's Roman Was ich liebte geht es nicht um den Sex, sondern um den Tod. Der Tod hatte nämlich die Beziehung verändert, die die beiden hatten, der Tod ihres Sohnes Matt. Die Trauer dringt wie eine Säure in alle Ritzen ihres Lebens und löst auf, was nicht fest verbunden war. Siri Hustvedt schaut genau hin, wie sich Wahrnehmungen verändern, wie Leo seine Fassung hält und Erica sie verliert, zunächst jedenfalls. Am 19. Juli 2015 um 17 Uhr in der St. Marien Kirche in Gera-Untermhaus hielt ich einen Literatur-Gottesdienst, der sich mit diesem Buch auseinandersetzte, mit Trauer und Tod und mit dem Verlust des genauen Hinsehens im Raum der Kirche. Die OTZ hat den Gottesdienst freundlich angekündigt. Ein Skript des Gottesdienstes mit nachträglich verfassten Inhaltsangaben meiner Kommentare finden Sie hier.


„Ein jeder Stiefel, der mit Gedröhn einher geht, wird im Feuer verbrannt.“ Das war mein Assoziationspunkt. Und wieder war ich in einem Weihnachtstext, der zentralen Verheißung des Propheten Jesaja, gelandet (Jesaja 9, 1-6). Und gleich nach dem Stiefel kommt das Kind, der neugeborene Friedefürst. Die einzige Marschrhythmus-Assoziation, die ich in der Bibel gefunden habe, steht neben dem weihnachtlichen Kind! Bei Jesaja ist das Kind der Gott-Held, der noch heranwachsen muss, bis er das Friedensreich aufbauen kann. Eine starke Vision und Utopie, die noch davon ausgeht, dass die Welt als ganze verändert und verbessert wird. Grass‘ Utopie ist nur noch die Störung der Formationsprozesse, die die Menschen zu Bestien erziehen. Immerhin, es sind die Kräfte, auf die man sich immer verlassen kann, die Lebensgier, der Lustgewinn. Insofern eine Minimal-Utopie. Und doch ist Grass‘ Bild des störenden kindlichen Trommlers auch eine Art Wiedergeburt des Jesaja-Kindes, das kommt, wenn die Marschstiefel und die blutbefleckten Soldatenröcke verbrannt sind. Hier sind die Texte des Literatur-Gottesdienstes zu Günter Grass.


Am 7. Januar 2015, dem Tag, an dem sein neuer Roman Soumission in Frankreich erschien, fand ein terroristischer Anschlag auf die Redaktion des französischen Satiremagazins Charlie Hebdo statt. 12 Menschen wurden getötet. Auf dem Titelblatt der gerade erschienenen Ausgabe war eine Karikatur von Michel Houellebecq mit den ihm in den Mund gelegten Worten: „2015 verliere ich meine Zähne, 2022 feiere ich Ramadan“.Unter den Opfern war auch Bernard Maris, mit dem Houellebecq gut befreundet war. Houellebecq brach daraufhin die Bewerbung seines neuen Romans ab und zog sich zurück. Am 17. Mai fand bei uns ein Literatur-Gottesdienst zu diesem Buch statt. Im Gottesdienst gab es zugleich eine kleine Geschichte des Verhältnisses des Christentums zu anderen Religionen zu hören. Hier ist das Skript des Gottesdienstes.


Soviel scheint Gott hier zu tun, um seine Liebenden zu schützen und sich an allen sorgfältig zu rächen, die das Glück der Lieben den zerstören wollten. Und dann ist es doch gerade seine Kirche, die mitten in die Rettung wieder Moral und Hass bringt. Aber immerhin die Idylle – wie eine Sturmstillung mitten im Erdbeben – das Wandeln unter Paradiesäpfeln, das sitzen Schoß in Schoß in Schoß. Eine so kleine Unterbrechung der Katastrophe. Von ihr wird erzählt. Alle Texte unseres Literatur-Gottesdienstes zu Heinrich von Kleists Novelle "Das Erdbeben in Chili".