Kirchgemeinde St. Marien

Evangelisch-Lutherisch | Gera-Untermhaus

Der Flügelaltar

Losung für Sonntag, 17. Dezember 2017:
Als die Zeit herbeikam, dass David sterben sollte, gebot er seinem Sohn Salomo und sprach: Ich gehe hin den Weg aller Welt. So sei getrost und diene dem HERRN, deinem Gott.
1.Könige 2,1-2.3
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St. Marien

EIN ALTAR WURDE MUSIK

Herzliche Einladung zur Uraufführung der Kantate von Peter Helmut Lang!

In Gera-Untermhaus, in pittoresker Lage zwischen Weißer Elster und Schloss Osterstein und in unmittelbarer Nachbarschaft zum Geburtshaus von Otto Dix gelegen, steht eine der schönsten und ältesten Kirchen Geras – die Marienkirche. Ihre Baugeschichte reicht bis in die Zeit um 1200 zurück; ihr kostbarstes Schmuckstück ist ein spätgotischer Flügelaltar, welcher um 1443 geweiht wurde. Im Zentrum seines Mittelschreins findet sich eine gekrönte Maria mit dem Christkind auf dem Arm. Vier kunstvoll geschnitzte, farbige Reliefs umrahmen die Holzplastik und werden von weiteren vier auf Goldgrund gemalten Szenen aus ihrem Leben ergänzt. Zu sehen sind unter anderen Darstellungen von der Geburt Christi, der Anbetung der Weisen, vom Kindermord des Herodes und von der Flucht nach Ägypten. Viele dieser farbenfrohen Bilder mögen auch das Kind Otto Dix beeindruckt, manch eindrückliches Detail sich vielleicht in sein Gedächtnis eingebrannt haben. Ob einzelne Elemente seiner religiösen Bilder auf diese ersten Eindrücke zurückgehen, mag Spekulation sein. In jedem Fall rechtfertigt die großartige Arbeit des unbekannten Schöpfers eine genaue Betrachtung.

Ihr widmet sich nun das ensemble diX und hat den Thüringer Kompositionspreisträger Peter Helmut Lang beauftragt, ein Werk zum Untermhäuser Marienaltar für Sopran und Bläserquartett zu schreiben. Dieses soll im Jubiläumsjahr der Reformation 2017 erklingen, wobei seine Entstehung zusätzlich eine einmalige Besonderheit für die Gemeinde mit sich bringen dürfte.Jedes einzelne Bild des Flügelaltars wird einen eigenen Musiksatz erhalten und passend zum Kirchenjahr Thema eines gesonderten Gottesdienstes sein. Die Gemeinde hat also die besondere Gelegenheit, vor der Vollendung des kompletten Werkes, das Stück in seinen einzelnen Abschnitten allmählich entstehen zu sehen. Ein Jahr wird die Beschäftigung mit den Altarbildern und die Reise durch das Leben Marias dauern. Eine Reise, die im Zusammenklang von Liturgie, Malerei und Musik und jahreszeitlichen Anlässen ein besonderes Gesamtkunstwerk verspricht. Hier finden Sie unser Programm-Faltblatt zur Reihe.

Die Termine:

(1) Welch ein Gruß ist das? Gottesdienst zum Relief "Die Verkündigung" am 17. April 2016, 10 Uhr, Pfarrer Dr. Frank Hiddemann

(2) Ein Licht, das die Heiden erleuchtet. Gottesdienst zum Tafelbild "Jesu Darstellung" am 22. Mai 2016 mit Taufe, 10 Uhr, Pfarrer Ulrich Prell

(3) Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter und flieh nach Ägypten. Gottesdienst zum Tafelbild "Die Flucht nach Ägypten" am 3. Juli 2016, 10 Uhr, Pfarrer Dr. Frank Hiddemann

In Untermhaus fließt der Nil. Jedenfalls auf dem Marienaltar. Denn eine Legende erzählt, dass der kleine Jesus ein Stück seiner Flucht auf einem Nilschiff verbracht hat. Und dieses Schiff ist im Hintergrund unseres Tafelbildes "Die Flucht nach Ägypten" zu sehen. Jesus soll dort einen Felshagel abgewendet haben. Und diese zackigen Felsen sieht man auch genau auf dem Bild. Sie schaffen im Hintergrund eine Atmosphäre der Bedrohung für die Flüchtlingsfamilie im Vordergrund. Am Sonntag, dem 3. Juli 2016 fand um 10 Uhr in der Marienkirche ein Gottesdienst zu diesem Tafelbild statt. Eine Komposition von Peter Helmut Lang, die er extra für uns geschaffen hatte, wurde durch das Ensemble Dix und die Sopranistin Akiho Tsujii uraufgeführt. Hätten Sie den Nil fließen hören können? Wer weiß? Die Predigt steht hier.

(4) Statt des Leibes blieben im Grab nur Rosen zurück. Gottesdienst zum Tafelbild "Der Tod Marias" am 4. September 2016, 10 Uhr, Dekan Klaus Schreiter

Ein schöner Tod! - Die Bibel erzählt, dass manche Menschen, die Gott besonders nahe waren, nicht sterben mussten. Sie wurden entrückt wie Henoch, fuhren mit einem Feuerwagen gen Himmel wie Elias oder verschwanden auf einem Berge in einer Wolke wie Jesus. Aus dieser Tradition speist sich auch die Legende vom Marientod. Maria, die Mutter Gottes, wünscht sich, als es ans Sterben geht, alle Apostel um sich zu haben, obwohl einige von Ihnen schon nicht mehr auf der Erde leben. Und - wie man auf unserem Altar sehen kann - hat sich ihr Wunsch erfüllt. Auch die Härte des Sterbens bleibt ihr erspart. Ihr Körper wurde direkt in den Himmel aufgenommen. Statt ihres Leibes blieben im Grab nur Rosen zurück. Für die Auslegung dieser Bildtafel hatten wir uns Expertise geholt. Dekan Klaus Schreiter hielt uns die Predigt und versuchte uns Protestanten das Tafelbild und seinen spirituellen Sinn zu erläutern. Wie immer gab es die Uraufführung einer Komposition für Holzbläser und Sopran von Peter Helmut Lang, die direkt von unserem Altar inspiriert wurde. Es musizierten Akiho Tsujii und das Dix-Ensemble und an der Orgel Ina Mohn-Engel. Hier können Sie die Predigt aufklappen bzw. herunterladen.

(5) Maria aber machte sich auf und ging eilends ins Gebirg. Gottesdienst zum Relief "Maria bei Elisabeth" am 4. Dezember 2016, 10 Uhr, Pfarrer Dr. Frank Hiddemann

(6) Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde. Gottesdienst zum Relief "Jesu Geburt" am 25. Dezember 2016, 10 Uhr, Pfarrer Dr. Frank Hiddemann. So klang die Ankündigung des Gottesdienstes bei Antenne Thüringen.

(7) Wir haben seinen Stern aufgehen sehen. Die Anbetung der Weisen. Gottesdienst am 22. Januar 2017, 10 Uhr, Pfarrer Dr.Frank Hiddemann

In majestätisch unbeeindruckter Gelassenheit gegenüber abendländischen Kirchenkalendern erscheinen am kommenden Sonntag die drei Könige in würdevoller Verspätung in Gera-Untermhaus. Wieder steht ein Themengottesdienst zum Marienaltar an, wieder widmen wir uns einer einzelnen Tafel des Kunstwerkes, und wieder werden wir reich beschenkt. Das Jesus-Kind mit Weihrauch, Gold und Myrrhe und wir mit einer weiteren musikalischen Reflexion aus der Feder von Peter Helmut Lang. Und siehe da: „Sie freuten sich sehr mit großer Freude“.

Vielleicht stimmen Sie mit ein in diese jesuanische und königliche Freude; jedenfalls ist es diesmal wärmer als sonst schon in der Kirche. Der Gottesdienst findet nämlich am 22. Januar 2017 um 10 Uhr im großen Saale des Lutherhauses (Joliot-Curie-Strasse 1a, 07548 Gera) statt. Den Altar projizieren wir auf die Bühnen-Leinwand. Diesmal sehen Sie alle Details, z.B. Josephs Löffel, mit dem er den Brei für das Kind rührt oder die Frau mit Schapel und Gebende, die sich unter das Gefolge der Könige gemischt hat. Und hier finden Sie das Programm-Faltblatt mit allen Themen und Terminen unserer Reihe zum Marienaltar: http://www.marienkirche-gera.de/CMS/data/files/Flyer%20Marienaltar%202017.pdf.

(8) Alle Knaben bis zum Alter vonzwei Jahren in Betlehem und der ganzen Umgebung. Der Kindesmord des Herodes. Gottesdienst am 2. April 2017, 10 Uhr, Pfarrer Dr. Frank Hiddemann

(9) Die Himmelskönigin. Gottesdienst am 28. Mai 2017, 10 Uhr, Pfarrer Dr. Frank Hiddemann im ökumenischen Dialog mit Dekan Klaus Schreiter

(10) Und sie bewegte die Worte in Ihrem Herzen. Konzert mit Aufführung der ganzen Kantate am 17. Juni 2016, 19:30 Uhr.

Der neue Flyer zum Marienaltar für das Jahr 2017 ist da.

MDR Kultur sendet ein Portrait von Peter Helmut Lang und berichtet ausführlich über unser Projekt.


Hier finden Sie einige kunstgeschichtliche Betrachtungen zum Flügelaltar

Der kostbarste Schmuck der Marienkirche ist der von den Geraer Kaufmanns-Familien Kudor f und Waltheym gestiftete gotische Altar. Er wurde durch Bischof Peter von Schleinitz(1434 - 1463) wohl kurz nach 1443 geweiht. Auf der Außenseite finden sich die Bilder von zwei Vertretern der Stifterfamilien, die durch ihre Wappen besonders kenntlich gemacht sind: Die hl. Margarete, der der Drachen nicht schaden darf, stellte Margarethe Hottritt, geb. v. Kudorf, die hl. Elisabeth, die den Bettler speist, Elisabeth Waltheym, geb. v. Kudorf dar, Gattin des reichen Patriziers Ludwig v. Waltheym in Leipzig, die in zweiter Ehe mit dem Leipziger Patrizier Hans Stuß verheiratet war.

Der in Holzplastik ausgestattete Mittelschrein trägt in der Mitte die gekrönte Maria mit dem Christkind auf dem Arm. Oben links: Ankündigung der Geburt an Maria; rechts: Maria bei Elisabeth (Heimsuchung). Unten links: Christi Geburt; rechts: Anbetung der Weisen. Maria ist jeweils in weinrotes Gewand gekleidet, das auf silbernem Grund gemalt ist. Über diesen Gruppen kunstvoll geschnitzte Baldachine, streng architektonisch gestaltet, keiner dem anderen gleich. Die Innenseite der Flügel tragen auf Goldgrund folgende Gemälde, oben links Vorstellung Jesu im Tempel; rechts: Flucht nach Ägypten; unten links: Kindermord des Herodes; rechts: Tod der Maria. Die schwarze Mönchsgestalt, die zu Füßen der sterbenden Maria - in demütiger Beugung sich von ihr und dem Apostelkreis abwendend - verharrt, soll wohl den hl. Franziskus darstellen und gibt somit möglicherweise einen Hinweis, daß der unbekannte Schöpfer des Altarwerkes im Orden der Franziskaner zu suchen ist (Saalfeld)

Von hier aus ergäbe sich auch eine mögliche Deutung des ganzen Altarwerkes: Ob es eine zentrale Aussage sein soll, daß der Geist der dienenden "Magd" des Herrn, der in

krassem Gegensatz steht zur grausamen Gewalttat des Herodes, nach ihrem Tod in den Aposteln (vgl. dieselben Heiligenscheine!) und in der Kirche weiterlebt, nun besonders wirksam ist in den Armen dienender Brüder des hl. Franz - im Gegensatz zum Machtstreben der mittelalterlichen Kirchenfürsten - und daß diesem Geist des Dienens für alle Zeiten die Krone verheißen ist, mit der die biblische Magd des Herrn nun gekrönt ist? Im Hintergrund des Bildes könnte die alle anderen überragende Gestalt möglicherweise Christus darstellen mit einem Kind auf dem Arm.

Dies Kind könnte dann ein verstorbenes Glied einer Stifterfamilie sein, wie auch die anderen Personen ohne Heiligenschein wohl diesen Familien angehören mögen. Sollte in einem der beiden Mönche links im Hintergrund etwa der Schöpfer des Flügelaltares sich selber dargestellt und damit seine innere Verbundenheit mit der Aussage gerade diese Bildes angedeutet haben? Die Außenseite der Flügel zeigt noch je ein Osterbild. Oben links: Der Auferstandene vor Maria Magdalena; rechts: der Auferstandene und Thomas. Unten links: die hl. Margarete von Antiochia, die nach der Legende in der Nacht vor ihrem Märtyrertod im Kerker die Erscheinung eines Drachen hatte, der sie zu verschlingen drohte, aber ohne ihr schaden zu dürfen, wieder weichen mußte. Rechts: die hl. Elisabeth von Thüringen im Dienst der Liebe.