Pfarrer Hiddemann nimmt Abschied!

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Ein alter spiritueller Satz: „Werdet Vorübergehende!“ – Jesus sagt ihn zu seinen Jüngern. Jedenfalls, wenn man dem Thomas-Evangelium glauben darf. Der Text einer meiner letzten Predigten in St. Marien war eine Heilung Jesu im Vorübergehen. Nun ist es für mich selbst soweit, St. Marien zu verlassen.

In den letzten Jahren hatte ich immer geteilte Stellen, in denen ich mich zur Hälfte um St. Marien und zur Hälfte um andere Belange kümmern musste. Dann kam die Teilung der Pfarrstelle mit der Leitung der Ökumenische Akademie. Und dann noch mehrere Vakanzen. Zum Schluss hatte ich das Gefühl, nichts mehr richtig tun zu können und Raubbau mit meiner Gesundheit zu treiben. Daher bin ich dankbar, dass die Landeskirche meine Akademie-Stelle aufgestockt hat, so dass ich mich jetzt in fast vollem Umfang um die Bildungsarbeit kümmern kann. Das gibt mir zum ersten Mal seit langem das Gefühl, in einer vernünftigen Struktur zu arbeiten.

Leider heißt das auch, ich nehme Abschied von St. Marien. Ich schaue auf viele schöne Dinge zurück, die in meiner Zeit hier entstanden sind, und ich werde in gewisser Weise vor Ort bleiben, denn das Lutherhaus wird das Hauptquartier meiner Akademie-Arbeit bleiben. Deswegen sehen wir uns, wenn Sie wollen, bei der Akademie am Vormittag und vielen anderen Angeboten, die ich hier mache. Ich bleibe vor Ort und ziehe mit meiner Familie ins Dachgeschoss der Villa Adele, vis à vis dem Curie-Heim, wo meine Mutter lebt. Wir bleiben also Untermhaus verbunden.

Wenn alles so gelaufen wäre, wie wir es uns vorgestellt haben, hätte die neue Pfarrerin oder der neue Pfarrer nahtlos die Pfarrstelle übernommen. Die Corona-Krise hat auch durch diese Planungen einen Strich gemacht. Niemand bewarb sich im März auf unsere oder andere Stellenanzeigen im Amtsblatt. Niemand konnte sich vorstellen, seine Gemeinde in dieser Zeit zu verlassen. Daher wird im August noch einmal ausgeschrieben, und wir sind sehr zuversichtlich, dass es Bewerbungen geben wird. Mit der Pfarrstelle St. Marien wird der neue Kollege oder die neue Kollegin eine Kreisstelle für Jugendarbeit übernehmen. Die Kinder- und Jugendarbeit wird also, wie es viele in der Gemeinde gewünscht haben, einen neuen Aufschwung nehmen.

Wir rechnen mit der Einführung der neuen Pfarrerin oder des neuen Pfarrers Anfang 2021, und bis dahin wird der ordinierte Gemeindepädagoge Michael Keßler die Vakanz übernehmen. Die Gespräche mit ihm waren sehr ermutigend. Er wird sich hier an vielen Stellen engagieren. Mit mir zusammen werden sich zwei Pfarrer, die auch in Untermhaus leben, mit an der Vakanzverwaltung beteiligen, so dass kaum Arbeitsbereiche reduziert werden müssen. Vielen Dank an dieser Stelle an Pfarrerin Petra Doering und Pfarrer Dr. André Demut.

Es wird zwei Termine geben, an denen wir meinen Abschied feiern können. Der neue Altarführer wird am 22. September 2020 um 17 Uhr in St. Marien vorgestellt. Dazu spielt noch einmal das Dix-Ensemble die Marien-Kantate, die in Auseinandersetzung mit unseren Altbildern entstanden ist. Während der Veranstaltung wird mir die Ernennungsurkunde zum Akademie-Leiter überreicht. Anschließend feiern wir im Dix-Garten ein Fest, das auch mein Abschiedsfest sein wird. Der liturgische Abschied wird dann beim letzten Gottesdienst der Sommerkirche in Thieschitz sein. Beim Erntedank-Gottesdienst am 11. Oktober um 17 Uhr. So sind die Planungen.

„Werdet Vorübergehende!“, sagt Jesus. Das heißt, der Abschied gehört zum Leben und sorgt dafür, dass wir wachsen können. „Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“, formuliert der Dichter Hermann Hesse in seinem Gedicht „Stufen“. Seien wir nicht nur traurig, sondern freuen wir uns auf diesen Zauber und diese Inspiration!

Frank Hiddemann
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Seit 2015 Pfarrer in St. Marien und seit 2018 Leiter der Ökumenischen Akademie Gera / Altenburg (https://oek-akademie-gera.de/).

Frank Hiddemann
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